Beim Mähen
einer Strassenböschung sterben viele Insekten. Und bleibt das Schnittgut
liegen, geht mit der Zeit auch die Artenvielfalt der Pflanzen zurück. Ökomäher,
also insektenschonende Mähgeräte, versprechen eine Lösung, ohne dass sich an
den Arbeitsabläufen etwas ändern muss. In einem Forschungsprojekt von nateco
und der ZHAW haben wir fünf solche Geräte getestet, mit Attrappen aus Wachs
statt echten Insekten. Auftraggeber waren das ASTRA und Partnerbehörden in
Deutschland (BASt) und Österreich (ASFINAG und BMIMI).
Fakten für Elige
- Beim Mähen mit dem Schlegelmulcher gingen rund 75 Prozent der Wachsattrappen verloren.
- Von fünf getesteten Ökomähern schnitten bei den Attrappen am Boden vier signifikant besser ab als der Schlegelmulcher, bei denen in der Vegetation nur zwei.
- Auch die besten Geräte kamen in der Vegetationsschicht allerdings noch auf über 50 Prozent Attrappenverluste.
- Ein angepasstes Mähregime mit ein bis zwei Schnitten pro Jahr, das Stehenlassen von Altgrasstreifen und die Abfuhr des Schnittguts haben eine mindestens so grosse ökologische Wirkung wie der Einsatz eines Ökomähers.
- Altgrasstreifen haben einen grossen Effekt und sparen sogar Geld, weil weniger Fläche gemäht wird.
Beim Kauf eines Ökomähers sollte auf vier Merkmale geachtet werden:
- ein schneidendes oder horizontal rotierendes Mähwerk
- eine mechanische Schnittgutaufnahme
- eine Insektenscheuche
- eine einstellbare Schnitthöhe.
Wie viel bringt ein Ökomäher wirklich?
Das Gerät hilft, aber es ist nicht das Wichtigste. Ein Ökomäher senkt zwar die Insektenverluste während der Mahd. Die eigentliche Lebensgrundlage der Insekten, eine artenreiche Pflanzengesellschaft, schaffen Sie aber mit dem richtigen Mähzeitpunkt, mit stehengelassenen Altgrasstreifen und mit dem Ausmagern der Fläche durch die Schnittgutabfuhr. Wie begrenzt der Geräteeffekt allein ist, zeigten die Feldversuche von nateco und der ZHAW auf Autobahnböschungen in der Nordwestschweiz: Selbst das beste Gerät beschädigte in der Vegetationsschicht noch über die Hälfte der Wachsattrappen.
So lief der Test im Sommer 2025 ab: Wir legten Wachsattrappen auf den Boden und hängten weitere in die Vegetationsschicht, also dorthin, wo Insekten an Halmen und Blüten sitzen. Dann mähten wir die Fläche, sammelten die Attrappen wieder ein und zählten aus, wie viele davon beschädigt waren. Je mehr Wachsattrappen wir unbeschädigt wiederfanden, desto insektenschonender arbeitete der jeweilige Mäher.
Beim Mähen mit dem Schlegelmulcher wurden rund 75 Prozent der Attrappen beschädigt. An diesem Wert mussten sich die Ökomäher messen.
Bei den Attrappen am Boden schnitten vier von fünf Geräten besser ab als der Schlegelmulcher. Bei denen in der Vegetation schafften das nur zwei. Das heisst: Nur weil Ökomäher draufsteht, ist der Mäher nicht automatisch insektenschonend. Worauf man beim Kauf achten sollte, wird weiter unten ausgeführt.
Zwei Beobachtungen haben uns selbst überrascht. Die erste: Die Attrappen bilden die tatsächlichen Verluste erstaunlich genau ab, obwohl sie nicht flüchten können und viel grösser sind als die meisten Insekten. Die zweite: In der Vegetationsschicht gehen deutlich mehr Tiere verloren als am Boden.
Quelle: Schlussbericht Kapitel 3.2.7, Seite 90, Rohergebnisse in 3.1.6 und 3.2.6.

Einsammeln der Wachsattrappen entlang einer Strasse (Bild: Kaspar Kluth)

Eine intakte und zwei beschädigte Wachsattrappen (Bild: Kaspar Kluth)
Welcher Teil der Böschung ist gemeint?
Eine Strassenböschung besteht aus zwei Zonen. Direkt an der Fahrbahn liegt der Intensivbereich, auch Sicherheitsstreifen genannt, ein zwei bis vier Meter breiter Streifen ab Fahrbahnrand. Der Intensivstreifen wird durch häufiges Mähen kurzgehalten, damit die Verkehrssicherheit gewährleistet ist.
Dahinter beginnt der Extensivbereich. Weil er nicht landwirtschaftlich genutzt, gedüngt oder gespritzt wird, hat er in der sonst intensiv bewirtschafteten Landschaft ein hohes ökologisches Potenzial. Oft wachsen hier Halbtrockenrasen und artenreiche Wiesen, Lebensräume, die andernorts stark zurückgegangen sind. Für die Verkehrssicherheit spielt es keine Rolle, wann und wie dieser Bereich gemäht wird. Beim insektenfreundlichen Mähen geht es deshalb immer nur um den Extensivbereich, alle weiteren Angaben in diesem Artikel beziehen sich darauf.
Quellen: ASTRA (2015). Richtlinie 18007, Grünräume an Nationalstrassen. Gestaltung und betrieblicher Unterhalt; Schlussbericht Kapitel 1.2, Seite 11-12.

Wie sollte der Extensivbereich gemäht werden?
Mähen Sie den Extensivbereich zweimal im Jahr, den ersten Durchgang im Juni oder Juli, den zweiten im September oder Oktober. Nur sehr magere Flächen kommen mit einem einzigen Schnitt aus.
Wie oft gemäht wird, hängt von der Wüchsigkeit der Fläche ab. Wann der erste Durchgang ansteht, richtet sich danach, wie weit die Vegetation ist, und damit auch nach der Höhe des Standortes über Meer. Als Faustregel sollten die meisten Wiesenarten verblüht sein, bevor das erste Mal gemäht wird. Bei jedem Durchgang bleibt ein Teil der Fläche als Altgrasstreifen stehen. Durch den Verzicht auf die Mahd überleben in den Altgrasstreifen alle Insekten, zudem können sie den überlebenden Insekten aus den gemähten Bereichen als Lebensraum dienen, bis dort die Vegetation wieder nachgewachsen ist.
Wachsen viele Neophyten auf der Fläche, mähen Sie mehr als einmal pro Jahr, jeweils vor der Blütenbildung. So bilden die Pflanzen keine Samen. Wirksamer wäre Ausreissen, das ist aber deutlich aufwendiger als Mähen. Auf stark von Neophyten befallenen Flächen sollten keine Altgrasstreifen stehen gelassen werden. Das gleiche gilt für Flächen mit starkem Gehölzdruck.
Diese Empfehlungen stammen aus der Literaturrecherche im Projekt, nicht aus unseren eigenen Feldversuchen.

Wo lege ich am besten die Altgrasstreifen an?
Lassen Sie bei jedem Durchgang einen Teil der Böschung stehen und legen Sie diesen Teil jedes Mal woanders hin. Ein System, das sich merken lässt: zwischen zwei Kilometerpfosten das erste Drittel stehen lassen, beim nächsten Durchgang das zweite. Beim übernächsten Durchgang ist das dritte Drittel an der Reihe. So wandert der ungemähte Streifen über die Fläche, und keiner steht so lange, dass Gehölze aufkommen. Ein solches System ist leicht zu verstehen, niemand muss vorher Flächen abstecken, und weil weniger Fläche gemäht wird, spart der Betrieb sogar Kosten.
In der Literatur finden Sie oft die Empfehlung, 10 bis 20 Prozent der Fläche stehen zu lassen. Diese Zahl stammt aus der Landwirtschaft, wo möglichst viel Fläche einen Ertrag bringen soll. Auf einer Strassenböschung darf der ungemähte Anteil grösser sein, und ein Drittel je Kilometerabschnitt lässt sich im Feld ohne Messen abschätzen.
Wie viel stehen bleibt, hängt vom Zustand der Fläche ab. Entweder bleiben einzelne Bereiche ein ganzes Jahr ungemäht, oder das System wird so gewählt, dass jeder Teil mindestens einmal jährlich an die Reihe kommt. Ein ganzes Jahr nützt am meisten. Wer einen Altgrasstreifen über den Winter stehen lässt, hilft mit, dass Insektenlarven und Eier überleben, denn viele Arten überwintern in den Stängeln und schlüpfen erst im Frühjahr.

Warum muss das Schnittgut abgeführt werden?
Führen Sie das Schnittgut ab. Bleibt es liegen, düngt jeder Mähdurchgang die Fläche ein Stück weiter. In der Folge nimmt die pflanzliche Artenvielfalt ab, und mit den blütenreichen Pflanzen verschwindet die Nahrung der Insekten.
Am besten nimmt der Mähkopf das Schnittgut direkt bei der Mahd auf. Das Heu ein paar Tage liegen zu lassen fördert zwar die Versamung der Pflanzen, schadet aber den Tieren, denn jeder zusätzliche Arbeitsgang verursacht weitere Verluste.
Die Abfuhr kostet Zeit und Geld, hält dafür den Boden mager und die Vegetation blütenreich. Einen Teil der Kosten fangen Sie wieder auf, indem Sie bei jedem Durchgang Altgrasstreifen stehen lassen und so weniger Fläche mähen müssen.
Quelle: Richner, N., Nienhuis, C., Schnyder, J. & Thiel-Egenter, C. (2019). Einfluss verschiedener Unterhaltsmethoden an Böschungen auf Fauna und Flora (Nr. 1661). Bundesamt für Strassen ASTRA.
Welche Schnitthöhe ist die richtige?
Eine pauschal richtige Schnitthöhe gibt es nicht. Die meisten Ökomäher lassen sich zwischen rund 8 und 15 Zentimetern einstellen, welche Einstellung passt, hängt von Vegetation und Gerätetyp ab. Die verbreitete Empfehlung von 10 bis 15 Zentimetern stützt sich vor allem auf Studien zu Amphibien, die auf Autobahnböschungen allerdings selten vorkommen. Eidechsen und Schlangen dürften von einer hohen Schnitthöhe aber ebenso profitieren.
Für Insekten und andere Arthropoden ergab die Literaturrecherche keine klare Empfehlung. Je nach Art halten sie sich in ganz unterschiedlichen Höhen der Vegetation auf. Fast jede Schnitthöhe wird deshalb einem Teil von ihnen zum Verhängnis und lässt einen anderen unversehrt.
Aus Sicht der Vegetation spricht einiges für einen tiefen Schnitt. Kräuter tragen ihre Speicherorgane unterirdisch oder direkt an der Bodenoberfläche und sind deshalb beim Tiefschnitt gegenüber den Gräsern im Vorteil. Ein tiefer Schnitt lässt zudem mehr Licht auf den Boden und fördert so lichtkeimende Kräuter. Und eine krautreiche, artenreiche Vegetation ist die Grundlage für viele Insekten und andere Kleintiere, weil zahlreiche Arten auf bestimmte Pflanzen spezialisiert sind.
Bei einem Schlegelmulcher oder einem Gerät mit Schnittgutabsaugung bleibt ein hoher Schnitt für die Tiere trotzdem vorteilhaft, denn diese Geräte häckseln oder saugen alles ab, was über der eingestellten Höhe liegt. Hier gilt: je höher die Einstellung, desto mehr Tiere überleben.

Faustregel: Wer mit einem Balken- oder Scheibenmähwerk und ohne gleichzeitige Schnittgutaufnahme arbeitet, stellt den Mäher eher tief ein und fördert damit die artenreiche Vegetation. Wer absaugt oder mulcht, stellt >10 cm ein. Wo Eidechsen oder Schlangen vorkommen, sollte ebenfalls hoch gemäht werden.
Diese Erkenntnisse stammen aus der Literaturrecherche. In unseren eigenen Versuchen haben wir die Schnitthöhe nicht untersucht.
Claßen, A., Hirler, A. & Oppermann, R. (1996). Auswirkungen unterschiedlicher Mähgeräte auf die Wiesenfauna in Nordost-Polen. Naturschutz und Landschaftsplanung 28, 139–144.
Worauf kommt es beim Kauf eines Ökomähers an?
Wie insektenschonend ein Gerät arbeitet, entscheidet sich an der Bauweise: ein schneidendes Mähwerk (Balkenmähwerk) oder ein horizontal rotierendes (Scheibenmähwerk), eine mechanische Schnittgutaufnahme statt Absaugen, eine Insektenscheuche mit Bügeln, Ketten oder einem Gebläse sowie eine Schnitthöhe, die sich einfach einstellen lässt. Von Schlegelmulchern raten wir ab.
Das Mähwerk. Ein Balkenmähwerk oder ein Scheibenmähwerk schneiden die Vegetation ab wie eine Schere. Gefährdet sind nur die Tiere, die genau auf der Schnitthöhe sitzen, darunter und darüber sind sie sicher. Beim Schlegelmulcher rotieren die Schlegel dagegen vertikal um eine horizontale Achse. Sie erfassen das Pflanzenmaterial bis etwa 40 bis 50 Zentimeter über der eingestellten Schnitthöhe, und oft mehr als einmal. Der Wirkungsbereich ist damit ungleich grösser als beim Balken- oder Scheibenmähwerk.

Die Insektenscheuche. Sie bewegt die Vegetation vor dem Mähwerk. Insekten und andere Kleintiere werden dadurch angeregt, zu flüchten, bevor das Mähwerk sie erfasst: wegfliegen, wegspringen, sich auf den Boden fallen lassen oder sich in den Boden verkriechen. In unseren Versuchen waren Bügel und Ketten den Planen überlegen. In einem deutschen Forschungsprojekt hat sich zudem eine Insektenscheuche auf Basis eines Gebläses als sehr effektiv erwiesen.
Von Berg, L., Frank, J., Erhardt, S., Betz, O., Steidle, J. L. M., Böttinger, S. et al. (2025). Minimising insect mortality during grassland mowing: The potential of insect chasing devices. Insect Conservation and Diversity.
Die Schnittgutaufnahme. Viele Ökomähköpfe nehmen das Schnittgut im selben Arbeitsgang auf, in dem sie mähen. Dazu sitzt hinter dem Mähkopf ein Schlauch, der das Schnittgut in den Auffangbehälter saugt. Innerhalb des Mähkopfs gelangt das Schnittgut auf zwei Arten zu diesem Schlauch: mechanisch oder durch einen Luftstrom. In unserem Test schnitten Geräte mit mechanischer Beförderung besser ab als das einzige Gerät mit Luftstrom. Wir vermuten, dass die Tiere bei der mechanischen Variante besser in der Lage sind, vor dem Absaugen zu flüchten.
Aus der Praxis: Ein Ökomäher im Test kombinierte ein Schlegelmulchmähwerk mit einer Insektenscheuche und weiteren insektenschonenden Massnahmen. Trotzdem lagen seine Verluste fast so hoch wie beim konventionellen Schlegelmulcher ganz ohne solche Vorkehrungen. Den Mähwerkstyp macht kein Zubehör wett.

Insektenscheuche mit Bügeln und Ketten.
Vier Empfehlungen, die Sie sofort umsetzen können
1. Lassen Sie bei jedem Mähdurchgang einen Teil jeder Böschung als Altgrasstreifen stehen. Das kostet praktisch nichts und hat eine grosse Wirkung.
2. Führen Sie das Schnittgut ab, statt es liegen zu lassen. So magert der Boden aus, und die blütenreiche Vegetation als Nahrungsgrundlage der Insekten bleibt erhalten.
3. Die Anschaffung eines Ökomähers sollte immer mit einem ökologischen Mahdregime kombiniert werden.
4. Legen Sie die Gerätemerkmale fest, bevor Sie Offerten einholen: kein Schlegelmulcher, mechanische Schnittgutaufnahme, Insektenscheuche mit Bügeln, Ketten oder Gebläse, einstellbare Schnitthöhe
Fazit
Insektenfreundliches Mähen beginnt beim Pflegekonzept: Mähzeitpunkt, Altgrasstreifen, Schnittgutabfuhr. Das Gerät kommt danach. Wer zuerst das Konzept klärt und dann beschafft, investiert sein Budget dort, wo es am meisten bewirkt.
Wie sich eine Strassenböschung darüber hinaus als Lebensraum entwickeln lässt, steht in unserem Beitrag «Strassenraum als blühender Lebensraum».
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Lässt sich etwas verbessern, ohne einen Ökomäher zu kaufen?
Ja. Mähzeitpunkt, Altgrasstreifen und Schnittgutabfuhr wirken unabhängig vom Gerät. Ein Betrieb, der diese drei Punkte umsetzt, erreicht mehr als einer, der nur ein neues Gerät anschafft.
Wohin kommt das abgeführte Schnittgut?
In der Regel in eine Kompostierungs- oder Biogasanlage. Die Kosten sind sehr unterschiedlich. Es lohnt sich, die Möglichkeiten in der eigenen Region abzuklären und auch über eine Verwertung im eigenen Betrieb nachzudenken.