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Invasive Tapinoma-Ameisen bekämpfen

Tapinoma magnum breitet sich in der Schweiz aus. Wir zeigen, wie Sie diese Ameisenart erkennen und umweltfreundlich bekämpfen.
12. März 2026 durch
Invasive Tapinoma-Ameisen bekämpfen
nateco AG, Eline Staubli

Als Beratungsstelle Ameisenschutz beider Basel begegnet nateco regelmässig der Frage: Was ist Tapinoma magnum und wie kann die Art bekämpft werden? Die Ameisenart und ihr Ausbreitungspotenzial ist faszinierend zugleich sehr problematisch für Infrastruktur und Natur in der Schweiz.

Wie erkenne ich Tapinoma magnum?

Erkennbar ist die Artengruppe an ihrer mattschwarzen Färbung, dem intensiven Acetongeruch und dem gleichzeitigen Auftreten von grossen und kleinen Arbeiterinnen. Es gibt mehrere Arten die sehr ähnlich aussehen.

Für eine sichere Artbestimmung muss man gesammelte Ameisen an ein spezialisiertes Labor schicken. Wir können dazu Adressen vermitteln.

Warum ist die Art problematisch?

Tapinoma-Ameisen verdrängen einheimische Arten. Sie haben zwei entscheidende Konkurrenzvorteile:

  1. In der Schweiz stammen alle Individuen einer Befallsregion von wenigen Tieren ab. Da sie genetisch nahe verwandt sind, bekämpfen sie sich nicht gegenseitig.
  2. Anders als einheimische Arten hält Tapinoma magnum keine Winterruhe und ist ab etwa 8 °C ganzjährig aktiv – ein entscheidender Konkurrenzvorteil.


Zudem verursachen sie vielfältige Schäden an Infrastruktur: Terrassen und Aussenräume können unbenutzbar werden, Gebäude werden unterhöhlt und beschädigt. Die Art verdrängt einheimische Ameisen und andere Insekten fast vollständig. Trockenrasen, Stein- und Felsfluren sowie andere wertvolle Trockenbiotope sind besonders gefährdet.


Ökologische Bekämpfung: Was wirkt?

Begrünung – die nachhaltigste Massnahme

Tapinoma-Ameisen brauchen sonnige, pflanzenarme Flächen. Sobald sich eine dichte Vegetation schliesst, ziehen sie sich zurück. Kies- und Schotterflächen durch Rasen, Wiesen, Stauden oder Gehölze ersetzen, Mähintervalle reduzieren und Böschungen begrünen – diese Massnahmen fördern die Biodiversität und schaffen langfristig ungeeignete Lebensräume für diese Art.

Bewässerung als Barriere

Tapinoma-Ameisen meiden Feuchtigkeit. Daher kann eine regelmässige Bewässerung von Randflächen als biologische Barriere wirken – ohne Chemie.

Thermische Bekämpfung mit Heisswasser

Kochendes Wasser, das mit Metalllanzen tief in die Kernnester gepumpt wird, schädigt Brutkammern nachhaltig. Erfahrungen aus deutschen Gemeinden zeigen: Mit Heisswasser lassen sich Populationen stark und dauerhaft reduzieren, wenn die Methode regelmässig und konsequent angewendet wird. Eine vollständige Tilgung gelingt damit allein jedoch nicht.

Chemische Bekämpfung – gezielt bei kleinen Beständen

Für die Tilgung kleiner Bestände (unter 1 ha) ist der Einsatz von Bioziden durch zugelassene Fachbetriebe sinnvoll. Die gesamte Kolonie muss erfasst werden, da sich verbleibende Tiere rasch wieder ausdehnen.

 

Was braucht es für eine koordinierte Bekämpfung in der Gemeinde?

Die invasive Ameisenart Tapinoma magnum macht nicht an Gemeinde- oder Kantonsgrenzen halt. Entsprechend kann weder eine Privatperson noch eine einzelne Gemeinde das Problem alleine lösen. Eine wirksame Bekämpfung braucht koordinierte Massnahmen auf mehreren Ebenen.

Überwachung des Pflanzenhandels

Ein wichtiger Eintragspfad sind importierte Topfpflanzen. Deshalb braucht es verstärkte phytosanitäre Kontrollen. Gleichzeitig sollten Gärtnereien und Baumschulen stärker für das Risiko sensibilisiert werden, damit mögliche Befälle früh erkannt werden.

Koordiniertes Monitoring

Ein abgestimmtes Meldesystem hilft, neue Befallsherde schnell zu identifizieren. Je früher eine Population entdeckt wird, desto grösser sind die Chancen, sie noch erfolgreich einzudämmen.

Klare Zuständigkeiten

Damit schnell gehandelt werden kann, müssen Zuständigkeiten klar geregelt sein. Dazu gehören verbindliche Meldepflichten sowie definierte Verantwortlichkeiten für die Bekämpfung invasiver Insekten auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene.

Ausbildung

Das Gemeindepersonal und Fachpersonen sollten gezielt für die Bestimmung des Art-Komplexes sowie die Anwendung der Bekämpfungsmethoden geschult werden. 

Transparente Kommunikation

Eine offene Information der Bevölkerung ist zentral. Grundeigentümer und Gewerbebetriebe in betroffenen Gebieten sollten direkt informiert werden. Ergänzend helfen Merkblätter und Meldestellen, die breite Öffentlichkeit einzubeziehen. Auf kantonaler Ebene ist zudem ein regelmässiger Austausch zwischen betroffenen Gemeinden wichtig, um Erfahrungen zu teilen und Massnahmen zu koordinieren.

Quellen:

Seifert, Bernhard & Kaufmann, Bernard & Fraysse, Lorenzo. (2024). A taxonomic revision of the Palearctic species of the ant genus Tapinoma Mayr 1861 (Hymenoptera: Formicidae). Zootaxa. 5435. 1-74. 10.11646/zootaxa.5435.1.1.

Heller, G. (2011) Pheidole pallidula (NYLANDER, 1849) und Tapinoma nigerrimum (NYLANDER, 1886) (Hymenoptera: Formicidae), etablierte Neozoa in Rheinland-Pfalz. Mainzer naturwissenschaftliches Archiv, 48, 273–281