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Ist das Tapinoma magnum? Befall erkennen und richtig reagieren

Schwarze Ameisen auf dem Kiesplatz gesichtet. Sind sie invasiv? Was Gemeinden tun sollten.
12. März 2026 durch
Ist das Tapinoma magnum? Befall erkennen und richtig reagieren
nateco AG, Eline Staubli

Auf einem Kiesplatz im Dorf sehen Sie unzählige schwarze Ameisen. Ist es die invasive Ameise Tapinoma magnum? Diese Art breitet sich in der Schweiz aus. Funde sind aus mehreren Kantonen belegt, vor allem in Baselland, Genf und dem Tessin. Sie verdrängt einheimische Ameisenarten und kann Infrastruktur beschädigen. Bekämpfen Sie aber erst, wenn die Art sicher bestimmt ist. Sonst verschwenden Sie Ressourcen und schaden einheimischen Arten. Dieser Artikel zeigt, wie Sie Tapinoma magnum erkennen, bei Verdacht die Art sicher bestimmen und in Ihrer Gemeinde richtig reagieren.


So erkennen Sie Tapinoma magnum vor Ort

Sie erkennen Tapinoma magnum an mehreren Merkmalen, wovon kein einzelnes allein entscheidend ist. Die Kombination zählt.

Farbe und Grösse: Die Arbeiterinnen sind einheitlich mattschwarz und zwischen 2,5 und 5 Millimeter lang. Das entscheidende Merkmal ist nicht die Farbe, sondern die Grössenvielfalt in der Kolonie. Tapinoma-Arbeiterinnen treten gleichzeitig in verschiedenen Grössen auf. Bei den meisten einheimischen Arten sind alle Arbeiterinnen innerhalb einer Kolonie ähnlich gross.

Geruch: Zerdrücken Sie eine Ameise und riechen Sie daran. Tapinoma verströmt einen intensiven Geruch nach Aceton oder ranziger Butter.

Fundort: Typische Lebensräume sind Kies- und Schotterflächen, Pflasterfugen, Terrassen, Trottoirs und andere trockene, pflanzenarme Böden. An den Nesteingängen häufen die Ameisen oft feinen Sand oder Erde auf.

Verhalten: Gegenüber Menschen reagiert Tapinoma oft aggressiv. Typisch sind breite «mehrspurige» Ameisenstrassen, oft über mehrere Meter.

Verwechslungsgefahr: Am ehesten verwechseln Sie Tapinoma mit der einheimischen Glänzendschwarzen Holzameise (Lasius fuliginosus). Drei Unterschiede helfen bei der Unterscheidung: Die Holzameise glänzt auffällig, Tapinoma wirkt matt. Die Holzameise ist mit 4 bis 6 mm grösser, und alle Arbeiterinnen sind etwa gleich gross. Die Holzameise baut ihre Kartonnester in Holz, Baumstümpfen oder hohlen Stämmen — nicht in Kies oder unter Pflastersteinen.

So kommen Sie zur sicheren Bestimmung

Eine Feldbestimmung liefert einen begründeten Verdacht aber keine Gewissheit. Für Gewissheit muss ein Fachlabor die Tiere unter dem Binokular bestimmen. Eine DNA-Analyse ist nicht nötig.

So gehen Sie vor: Sammeln Sie zwei bis drei Ameisen direkt in Brennsprit (mind. 70 % Alkohol). Am besten eignet sich dazu ein kleines Plastikröhrchen mit Verschlusskappe. Ein Konfitürenglas tut es auch, ist für den Versand aber weniger praktisch. Achten Sie darauf, Ameisen unterschiedlicher Grösse zu erwischen. Das erleichtert die Bestimmung. Dokumentieren Sie unbedingt den Fundort. Am einfachsten ist ein Foto mit dem Handy. So wird die GPS-Position meist automatisch mit dem Bild gespeichert.

Für die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft: nateco führt die Beratungsstelle Ameisenschutz beider Basel und bestimmt die Proben für Sie. Auf Anfrage schicken wir Ihnen ein Set mit Röhrchen, Alkohol und Rücksendeumschlag. Melden Sie sich vorher bei uns, damit der Kanton die Kosten übernimmt.

Für andere Kantone: Wenden Sie sich an die kantonale Neobiota-Fachstelle.


Warum Sie Tapinoma bekämpfen sollten

Es gibt in der Schweiz keine gesetzliche Pflicht, Tapinoma magnum zu bekämpfen. Trotzdem sprechen mehrere Gründe dafür, früh und gezielt zu handeln.

Früh handeln ist günstiger als spät handeln. Tapinoma bildet Superkolonien mit mehreren Königinnen, die sich langfristig über mehrere Hektaren ausbreiten können. Je kleiner die Fläche beim ersten Eingriff ist, desto höher sind die Erfolgsaussichten. Wer wartet, bis die Ameisen in Gebäude eindringen oder Leitungsnetze besiedeln, zahlt ein Mehrfaches.

Infrastruktur und Biodiversität schützen. Tapinoma unterhöhlt Pflaster, beschädigt Gebäudeisolationen und kann in Extremfällen Stromausfälle verursachen. Ökologisch verdrängt die Art einheimische Ameisen und schwächt damit die lokalen Ökosysteme.

Verantwortung gegenüber Nachbargemeinden. Tapinoma breitet sich aktiv  aus. Eine Kolonie ist ein Befallsherd für die ganze Region.

Biozide gegen Ameisen dürfen in der Schweiz nur Personen mit Fachbewilligung einsetzen. Setzen Sie deshalb auf zugelassene Fachbetriebe oder auf ökologische Massnahmen wie Begrünung, Bewässerung und Beschattung, die ohne Biozide auskommen und den Lebensraum für Tapinoma dauerhaft unattraktiv machen.


Kontaktieren Sie uns

Wenn Sie einen Tapinoma-Verdacht haben oder eine Ersteinschätzung für Ihre Gemeinde brauchen,
melden Sie sich. Wir unterstützen auch über beide Basel hinaus.