Auf einem Kiesplatz im Dorf sehen Sie unzählige schwarze Ameisen. Gehören sie zum invasiven Tapinoma nigerrimum-Komplex? Zu diesem Artenkomplex gehören mehrere Arten, die in der Schweiz als invasiv gelten – unter anderem Tapinoma magnum, T. darioi und T. nigerrimum. Im Kanton Basel-Landschaft wurden bisher alle drei Arten nachgewiesen. Sie verdrängen einheimische Ameisenarten und können Infrastruktur beschädigen. Funde sind aus mehreren Kantonen belegt, vor allem in Baselland, Genf und dem Tessin. Bekämpfen Sie aber erst, wenn die Art sicher bestimmt ist. Sonst verschwenden Sie Ressourcen und schaden einheimischen Arten. Dieser Artikel zeigt, wie Sie einen Verdacht erkennen, wohin Sie sich wenden und in Ihrer Gemeinde richtig reagieren.
So erkennen Sie Tapinoma vor Ort
Die Arten im Tapinoma nigerrimum-Komplex lassen sich im Feld nicht zuverlässig voneinander unterscheiden – dafür braucht es ein Fachlabor. Ob es sich überhaupt um eine Art aus diesem Komplex handelt, erkennen Sie an mehreren Merkmalen. Kein einzelnes ist allein entscheidend. Die Kombination zählt.
Farbe und Grösse: Die Arbeiterinnen sind einheitlich mattschwarz und zwischen 2,5 und 5 Millimeter lang. Das entscheidende Merkmal ist nicht die Farbe, sondern die Grössenvielfalt in der Kolonie. Tapinoma-Arbeiterinnen treten gleichzeitig in verschiedenen Grössen auf. Bei den meisten einheimischen Arten sind alle Arbeiterinnen innerhalb einer Kolonie ähnlich gross.
Geruch: Zerdrücken Sie eine Ameise und riechen Sie daran. Tapinoma verströmt einen intensiven Geruch nach Aceton oder ranziger Butter.
Fundort: Typische Lebensräume sind Kies- und Schotterflächen, Pflasterfugen, Terrassen, Trottoirs und andere trockene, pflanzenarme Böden. An den Nesteingängen häufen die Ameisen oft feinen Sand oder Erde auf.
Verhalten: Gegenüber Menschen reagiert Tapinoma oft aggressiv. Typisch sind breite «mehrspurige» Ameisenstrassen, oft über mehrere Meter.
Verwechslungsgefahr: Am ehesten verwechseln Sie Tapinoma mit der einheimischen Glänzendschwarzen Holzameise (Lasius fuliginosus). Drei Unterschiede helfen bei der Unterscheidung: Die Holzameise glänzt auffällig, Tapinoma wirkt matt. Die Holzameise ist mit 4 bis 6 mm grösser, und alle Arbeiterinnen sind etwa gleich gross. Die Holzameise baut ihre Kartonnester in Holz, Baumstümpfen oder hohlen Stämmen — nicht in Kies oder unter Pflastersteinen.
Verdacht bestätigt? Wie weiter?
Eine Feldbestimmung liefert einen begründeten Verdacht, aber keine Gewissheit. Für Gewissheit muss ein Fachlabor die Tiere unter dem Binokular bestimmen. Eine DNA-Analyse ist nicht nötig.
Primäre Anlaufstelle ist die kantonale Neobiota-Fachstelle. Sie koordiniert bei Verdacht auf invasive gebietsfremde Organismen das gesamte weitere Vorgehen von der Probennahme über die Artbestimmung bis zur Ausbreitungsabklärung und den nachfolgenden Massnahmen. Melden Sie Verdachtsfälle deshalb zuerst dort.
Für den Kanton Basel-Landschaft: Melden Sie Verdachtsfälle an neobiota@bl.ch. Die Fachstelle organisiert die Probennahme und die Bestimmung. Weitere Informationen auf www.neobiota.bl.ch.
Für andere Kantone: Wenden Sie sich an Ihre zuständige kantonale Neobiota-Fachstelle.
Die Rolle von nateco: Wir führen die Beratungsstelle Ameisenschutz beider Basel. Für allgemeine Fragen zu Ameisen – etwa zu einheimischen Arten, zur Bestimmung von Nicht-Neobiota-Funden oder zur ökologischen Einordnung – sind wir gerne Ihre Anlaufstelle. Bei Verdacht auf invasive Tapinoma-Arten wenden Sie sich bitte zuerst an die kantonale Neobiota-Fachstelle.
Warum sich frühe Reaktion lohnt
Es gibt in der Schweiz keine gesetzliche Pflicht, Arten des Tapinoma nigerrimum-Komplexes zu bekämpfen. Trotzdem sprechen mehrere Gründe dafür, bei einem bestätigten Fund früh und gezielt zu handeln.
Früh handeln ist günstiger als spät handeln. Tapinoma bildet Superkolonien mit mehreren Königinnen, die sich langfristig über mehrere Hektaren ausbreiten können. Je kleiner die Fläche beim ersten Eingriff ist, desto höher sind die Erfolgsaussichten. Wer wartet, bis die Ameisen in Gebäude eindringen oder Leitungsnetze besiedeln, zahlt ein Mehrfaches.
Infrastruktur und Biodiversität schützen. Tapinoma unterhöhlt Pflaster, beschädigt Gebäudeisolationen und kann in Extremfällen Stromausfälle verursachen. Ökologisch verdrängt die Art einheimische Ameisen und schwächt damit die lokalen Ökosysteme.
Verantwortung gegenüber Nachbargemeinden. Tapinoma breitet sich aktiv aus. Eine Kolonie ist ein Befallsherd für die ganze Region.
Biozide gegen Ameisen dürfen in der Schweiz nur Personen mit Fachbewilligung einsetzen. Bei einem bestätigten Befall im Kanton Basel-Landschaft koordiniert die kantonale Neobiota-Fachstelle das weitere Vorgehen. Ergänzend sinnvoll sind ökologische Massnahmen wie Begrünung, Bewässerung und Beschattung, die den Lebensraum für Tapinoma dauerhaft unattraktiv machen. Diesbezüglich beraten wir Sie gerne.